Förderung kostet Zuschuss

18 Euro-Telefon kostete die Förderung

Roggendorfer Unternehmer Benedetto Gentili und die Tücken öffentlicher Programme

100. 000 Euro investieren, zwei Arbeitsplätze schaffen, rund 20.000 Euro Fördermittel kassieren. Das Ziel 2-Förderprogramm von Land und EU was für Benedetto Gentili attraktiv. Tatsächlich investierte er rund 400.000 Euro, schaffte 5 Arbeitsplätze – und musste die Fördermittel zurückzahlen. Pech und eine Stolperfalle wurden ihm zum Verhängnis.

ROGGENDORF. 1999 bot sich Benedetto Gentili, dem Inhaber des Roggendorfer „Medienhaus Eifel“, die Chance, sein „Geschäftsfeld abzurunden“. Der Drucker, der bislang in seinem Auftrag arbeitete, verkündete Gentili, dass er seinen Betrieb schließen werde. Um die Druckerei zu übernehmen, benötigte Gentili logischerweise Geld. Auch hatte er von Förderprogrammen gehört. Über beides sprach er mit seiner Bank.

Es lief für Gentili wirklich gut. Den Antrag für das Förderprogramm, so Gentili, sei sofort ausgefüllt worden. Bei der Bank habe man ihm versichert, dass dies „der Startschuss“ für die Investitionen sein. Das ließ sich der Unternehmer nicht zwei Mal sagen, gab fleißig Geld aus.

2001 standen im Medienhaus Eifel wieder größere Investitionen an. Diesmal sollten Geräte für den Grafik-Bereich gekauft werden. Und auch hier sollte es mit der öffentlichen Förderung wieder klappen. Gleiches Prinzip: Der Antrag wurde ausgefüllt, Gentili investierte.

Auf Anforderung der Band legte Gentili in beiden Fällen entsprechende Rechnungen vor. Und zwar von Investitionen, der er nach dem Tag der jeweiligen Beratung tätigte. Dass dies der falsche tag war, stellte sich 2003 bei einer Überprüfung heraus. „Stichtag“ war nämlich nicht, wie ihm, so Gentili, seine Bank auch auf Nachfrage versicherte – der Tag der Beratung und Antragstellung, sondern der, an dem von der Bank der Antrag abgestempelt wurde. Zwischen den Daten lagen teils Wochen. Und die Förderrichtlinien sind gnadenlos.

Gentili hatte gleich doppeltes Pech: Nicht nur, dass im Rahmen einer routinemäßigen und stichprobenartigen Kontrolle des Landes ausgerechnet seine Anträge aus dem Stapel gezogen wurde und die Ungereimtheiten erkannt wurden. Im Fall des ersten Antrags hebelte ein Telefon im Wert von 18 Euro die komplette Förderung aus. Dieses imposante Gerät war unglücklicherweise vor dem „Stempeldatum“ gekauft worden. Dass der zehntausend Euro schwere Kauf der Druckerei im korrekten Zeitraum lag, spielte keine Rolle mehr.

Im zweiten Fall wurden mehrere Tausend Euro teure Grafik-Geräte zwar im korrekten Zeitraum bezahlt – aber waren bereits vor dem „Stempel“ bestellt worden. Und auch hier sollte es Essig sein mit der Förderung.
Viele Monate zog sich das Verfahren hin. Vor dem Bonner Landgericht trafen sich Gentili und Bank wieder. Die Bank hatte die Förderung bereits zurückgezahlt. Nun sollte Gentili die rund 20.000 Euro zurückgeben. Da die Gespräche mit der Bank meist unter vier Augen abliefen und Aussage gegen Aussage stand, wurde vor Gericht ein Vergleich geschlossen: Drei Viertel der Fördermittel muss Gentili zurückzahlen. Zudem muss er neben den eigenen Anwaltskosten auch die der Bank zu drei Vierteln tragen – 5000 Euro. Bis auf 1000 Euro sind die Fördermittel futsch.

Ausbildungsplatz wurde gestrichen.
Die Eifeler Politiker konnten dem Unternehmer nicht helfen. Sowohl an Bundestagsabgeordneten Dr. Wolf Bauer als auch an Clemens Pick, der im Düsseldorfer Landtag sitzt, wandte sich Gentili. Bauer sagte, dass für die Förderung das Land zuständig sei. Auch Pick konnte nichts tun. Er ließ Gentili jetzt wissen, dass er persönlich berührt sei, aber keine Möglichkeit habe, etwas zu erreichen. Über die kleinkarierte Bürokratie ist Gentili maßlos enttäuscht: Die Aussicht auf Fördermittel habe nicht den Ausschlag für seine Investitionen gegeben. „Es kann doch nicht im Sinne des Gesetztes und des Fördergedankens sein, dass ein Unternehmer die geförderten Kriterien mehr als erfüllt und dann 18 Euro die Förderung verhindert.“

Konsequenzen hat Gentili gezogen. So habe er die Hausbank gewechselt. Das Vertrauen zur bisherigen Band sei nicht mehr vorhanden gewesen, Gentili fühlte sich von den Bankern nicht nur schlecht beraten, sondern auch „verraten und verkauft“. Auch wickle er Bankgeschäfte nur noch in Anwesenheit eines Vertrauten als Zeugen ab.
Knüppeldick kam es für Melanie Stoll. Die 18-Jährige aus Weyer absolvierte im Medienhaus Eifel ein Jahrespraktikum und hätte im Anschluss daran ihre Ausbildung zur Mediengestalterin dort beginnen sollen. Die Hoffnungen auf einen Vertrag zerschlugen sich mit der Rückzahlung der Fördergelder. Mit den 20 000 Euro, so Gentili, hätten die ersten beiden Ausbildungsjahre finanziert werden können. Im dritten Jahr seien die Azubis meist schon so fit, dass sie die Kosten selbst erwirtschafteten. Während Gentili bereits einen Drucker und einen Außendienstler einstellte, steht Melanie Stoll weiterhin vor einer unsicheren beruflichen Zukunft: Derzeit jobbt sie auf 400 Euro-Basis und hat rund 80 Bewerbungen geschrieben - ohne Erfolg.

Quelle: Kölnische Rundschau